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Die "Enigma"
Am 25. Juli 1939, noch vor Ausbruch des Krieges, hat der polnische Geheimdienst (II. Abteilung im Generalstab) Großbritannien und Frankreich je ein Exemplar einer Replik der deutschen Chiffriermaschine "Enigma" (zusammen mit den unentbehrlichen Plänen) übergeben, die das Entziffern der deutschen Funksprüche ermöglichte. Das polnische Kryptologenteam wurde nach Frankreich evakuiert und fand sich später in England, wo in Bletchley Park ein eigenes Abhör und Dechiffrierungszentrum eingerichtet wurde. Die polnische "Enigma" hat eine wesentliche Rolle gespielt, insbesondere bei der Schlacht um England, der Schlacht um den Atlantik und der Invasion der westlichen Alliierten auf den Kontinent im Jahr 1944. An der Stelle seien auch andere nach England evakuierte polnische Wissenschaftler und Ingenieure erwähnt. Elektroniker haben u.a. zur Entwicklung des U-Boot-Ortungssystems HFDF (High Frequency Direction Finding) beigetragen. Polnische Ingenieure haben u.a. ein besonderes Periskop für Panzer und ein Flugabwehrgeschütz entwickelt, das in mehreren tausend Stück in die Ausrüstung der britischen Armee aufgenommen wurde.
Der Geheimdienst
Angesichts der Unmöglichkeit im besetzten Land reguläre militärische Einheiten zu formieren, spielte im polnischen Anteil an der antideutschen Allianz der Geheimdienst eine besondere Rolle, der noch aus der Vorkriegszeit über eine große Erfahrung verfügte, insbesondere was die Arbeit auf dem Gebiet Deutschlands betraf. Während des Krieges arbeitete der polnische Geheimdienst in Anlehnung an zwei Zentren: die II. Abteilung im Stab des Oberbefehlshabers, die hauptsächlich in Westeuropa und Nordafrika operierte und die II. Abteilung des Oberkommandierenden der Heimatarmee, die vor allem im Lande selbst und in Deutschland ihre Tätigkeit entfaltete. Koordinationsstelle war die Abteilung II. in London, die enge Kontakte zu den entsprechenden britischen Diensten hatte, darunter schon seit Juli 1940 zu Special Operation Executive (SOE), die sich mit Geheimdienst und Diversion im besetzten Europa beschäftigte. Im August 1941 wurde eine Abmachung mit dem amerikanischen Geheimdienst (OCI, später OSS) getroffen. Im Jahr 1942 hatte der Geheimdienst der Heimatarmee einige Monate lang direkten Funkkontakt mit der Roten Armee; davor und danach gelangten die Informationen des polnischen Geheimdienstes mit Hilfe britischer Vermittlung nach Moskau. Die Verbindungen zu den Alliierten waren insofern wesentlich, als die polnische Armee und die Exilregierung wegen der eingeschränkten eigenen Möglichkeiten die Fülle an gesammelten Informationen nicht ausnutzen konnten. Der unmittelbar von London aus geleitete Geheimdienst schuf ab September 1940 zahlreiche Dienststellen, deren Netz praktisch ganz West- und Südeuropa sowie Nordafrika umspannte. Am größten und wichtigsten war das Dienststellennetz in Frankreich (Expositur "F", später "F2"), das über 2.500 Mitarbeiter zählte und allein in den Jahren 1940-1942 über 5.200 Meldungen an die Londoner Zentrale sandte. 1944 konzentrierte sich das in Paris tätige Netz der Expositur "Interallie" auf Fragen, die mit der Landung der Alliierten zusammenhingen. Es gab auch ein Geheimdienststellennetz in Dänemark, Belgen, Holland, Schweden, der Schweiz, Spanien, Portugal, Griechenland, Palästina, Italien, auf dem Balkan und in den baltischen Staaten. Eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung des alliierten Angriffs auf Nordafrika (Operation "Torch", Dezember 1942) spielten Informationen, die vom Dienststellennetz der Expositur "AFR" übermittelt worden sind. In Frankreich war das Geheimdienstnetz mit der breiter angelegten polnischen konspirativen Tätigkeit verbunden, zu der auch Diversions- und Propagandaaufgaben gehörten (Polnische Organisation für den Kampf um Unabhängigkeit, Kryptonym "Monika").Die ersten Geheimdienststrukturen im besetzten Polen entstanden im Herbst 1939, und zwar gleichzeitig sowohl im Rahmen des sich bildenden Stabes des Verbandes für den Bewaffneten Kampf (ZWZ) als auch auf Grund individueller Initiativen. Von den Letzteren hatte die Organisation "Musketiere" die größte Bedeutung. Die eigentliche Entwicklung der Geheimdiensttätigkeit begann nach dem Fall Frankreichs, als klar wurde, daß der Krieg länger dauern werde. Die II. Abteillung verfügte über eine ausgebaute Struktur mit allen Ressorts und Dienststellen, die im militärischen Geheimdienst existieren, und zwar sowohl in der Zentrale in Warschau als auch in den Kreisen und Bezirken der Heimatarmee. Schätzungsweise waren in diesem Netz über 15.000 Personen tätig. Eine wichtige Rolle spielten dabei beispielsweise Mitarbeiter der Post und Eisenbahn. Eines der bedeutendsten Kettenglieder waren dabei jene Dienststellen, die in Deutschland tätig waren (allgemeines Kryptonym "Stragan"/"Marktstand") und sich u.a. in Berlin, Hamburg, Köln, Wien, Königsberg, Breslau und Stettin befanden. Der offensive Teil jener in Deutschland tätigen Geheimdienststellen (Kryptonym "Lombard"/"Leihaus") unternahm auch Diversionsaktionen, u.a. Bombenanschläge. Nach dem Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges hat man den Geheimdienst im Osten ausgebaut (Kryptonym "Pralnia"/"Wäscherei") und Dienststellen u.a. in Smolensk, Charkow, Riga und Düneburg errichtet. Im Frühjahr 1941 hat der polnische Geheimdienst via London einige summarische Bearbeitungen über deutsche Angriffsvorbereitungen nach Moskau übermittelt. Die spektakulärste Errungenschaft des dem Oberkommandierenden der Heimatarmee unterstellten Geheimdienstes war die Auskundschaftung des Forschungszentrums und der Fabrik in Penemünde, wo die Raketen V-1 und V-2 gebaut wurden. Erste Informationen erlangte man im Herbst 1942 und im März 1943 wurde ein ausführlicher Bericht nach London geschickt. Dies erlaubte den Briten die Durchführung eines gezielten Bombenangriffs am 17./18. August 1943, wodurch alle Pläne des Baus jener Wunderwaffe auf viele Monate gestoppt waren. 1944 gelang es dem Geheimdienst der Heimatarmee in den Besitz einer Rakete zu gelangen, die bei den Tests nicht explodiert war, und Teile von ihr nach London zu bringen. Eine nicht unbeträchtliche Rolle bei den Kriegshandlungen spielten Geheimdienstinformationen über die Lokalisation von Benzinfabriken (Operation "Synteza"/"Synthese") und militärischen Einrichtungen in Deutschland und Polen. Übermittelt wurden auch Informationen über die Konzentrationslager und die Vernichtungslager. Das von den Polen zur Verfügung gestellte Material wurde von den Partnern hoch geschätzt. In den Bewertungen des Intelligence Service lesen wir u.a.: "Der polnische Geheimdienst lieferte außerordentlich wertvolle Informationen" (1. Jahreshälfte 1942), Bewertungen, die von der Heimatarmee übermittelt werden, "gehören zu den wertvollsten, die wir erhalten" (Juni 1944). Insgesamt wurden ab der zweiten Hälfte des Jahres 1940 bis Ende 1943 (für den späteren Zeitraum fehlen Angaben) den Alliierten vom polnischen Geheimdienstnetz über 26.000 Meldungen und mehrere tausend dechiffrierte deutsche Depeschen übermittelt.
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